Mehrkulturen-Feldtag
09/2019

Mehrkulturen-Feldtag

von RAGT zum Thema „Ackerbau unter veränderten Bedingungen“

Auf Einladung von RAGT trafen sich Mitte September Landwirte und Händler zum Mehrkulturen-Feldtag auf dem Betrieb von Bernd und Stefan Ams im südbadischen Rheinhausen. Anlass bot das 100-jährige Bestehen von RAGT. Über die Jahrzehnte entwickelte sich das Unternehmen von einer landwirtschaftlichen Genossenschaft zum modernen Mehrkulturen-Züchter. Im Mittelpunkt der Präsentation standen die Ackerkulturen Mais, Getreide, Soja und Sorghum mit ihren jeweils auf badische Anbauverhältnisse zugeschnittenen Sorten.

 

 

Wie wichtig es aufgrund zunehmender Witterungsextreme ist, Sorten mit hoher Stresstoleranz bereitzustellen, erläuterte RAGT-Fachberater Heinz Hermann am Beispiel der Körnermaissorte Edonia (K 280). Sie kam mit der Trockenheit 2018 in der Phase der Ausreife gleichermaßen gut zurecht wie 2019 als die Trockenheit während der Blüte auftrat. Von der Blatt- und Kolbengesundheit sowie der Standfestigkeit konnten sich die Teilnehmer an der Versuchsparzelle selbst überzeugen. Aufgrund der sehr guten Ergebnisse in den EU-Prüfungen ist Edonia (K 280) dieses Jahr ebenso wie die etwas frühere Sorte Volodia (K 270) in die LSV aufgestiegen. Als neue spätere und damit für Südbaden interessante Sorten waren RGT Hexxagone und Mexine zu sehen, die bereits mit sehr guten IMIR-Ergebnissen aufwarten können.

 

 

Ein Schwerpunkt der Veranstaltung lag auf den Fruchtfolgealternativen zu Mais.  Aufgrund des flächendeckenden Maiswurzelbohrer-Befalls in Baden griff 2019 erstmals die Auflage, im dritten Anbaujahr einen Wechsel von Mais zu einer anderen Kultur vornehmen zu müssen. An Versuchs- und Praxisergebnissen zeigten die RAGT-Fachberater auf, dass Sojabohnen und Sorghum dank züchterischer Anpassung zu ertragssicheren und wirtschaftlichen Alternativen in Baden geworden sind.  

Beim Anbau von Sojabohnen sei es ganz wichtig, Standort und Sorte richtig zuzuordnen, führte Bernhard Irion, Beratungslandwirt von RAGT in Südbaden und Sojaanbauer aus und verwies auf die amtlich empfohlenen Sorten Solena und RGT Stumpa für trockene, warme Standorte. Für kühlere Standorte in Baden und in Rapsfruchtfolgen mit erhöhtem Sklerotiniadruck eigne sich die Sorte Sirelia gut.

 

 

Auch Sorghum wird aufgrund regionaler Auflagen und Trockenheit zunehmend in die Fruchtfolge integriert, nicht zuletzt weil die vorhandene Saat- und Erntetechnik aus dem Maisbereich eingesetzt werden kann und sich Körnersorghum zum gleichen Preis wie Körnermais vermarkten lässt.  Um dem wachsenden Interesse der Landwirte an dieser Kultur zu entsprechen, stellte RAGT auf den Versuchsparzellen die gesamte Bandbereite an Sorghumtypen vor – vom Körnersorghum über qualitätsbetonten Silosorghum bis zum masseorientierten Silosorghum. „Wie der Mais besitzt Sorghum ein vielfältiges Verwendungsspektrum, jedoch muss bereits bei der Sortenwahl über die Nutzungsart entschieden werden“, hob Pohl hervor. Hauptsorte von RAGT im Körnersorghumsegment ist die ertragreiche und -stabile Sorte RGT Dogge. Speziell für menschlichen Verzehr sprich für Müllerreiindustrie sei die neue weißschalige Sorte RGT Icebergg interessant. Auf den trockenen Silomais-Standorten in Baden habe sich die frühe Qualitätssorghumsorte RGT Swingg bewährt, für die landläufig als „Heuschienen“ bezeichneten Kies- und Schötterböden empfehle sich die für ihre hohen Masseerträge bekannte Sorte Joggy, so Pohl.

Landwirten, die als Fruchtfolgeersatz für Mais eine Winterung suchen, empfahl Gerhard Banzer, Gebietsleiter Getreide Süd bei RAGT, den Anbau von Winterweizen in Betracht zu ziehen. „Trotz Trockenheit wurden 2019 in den badischen LSV sowie auf Versuchs- und Praxisstandorten sehr gute  Weizenerträge zwischen 90 und 100 dt erzielt, die 2019 vermutlich teilweise über dem Körnermaisertrag trocken liegen werden“, referierte Banzer. Amtlich empfohlen sind u. a. die Universalsorte RGT Reform – vorzugsweise für tiefgründige Böden im Rheintal – und der frühe, fusariumtolerante Grannenweizen RGT Sacramento, der die Winterfeuchtigkeit gut nutzt und durch frühe Ernte den Anbau von Zwischenfrüchten ermöglicht.